Kunststofftag Baden-Württemberg

Veranstaltet vom Kunststoff-Institut Südwest und TechnologyMountains



Kunststofftag Baden-Württemberg - Rückblick auf die Veranstaltung 2017

           

Die Kunststoffbranche steht vor tiefgreifenden Umwälzungen, gleichzeitig wird das Spritzgießen in bewährter Qualität weiterhin eine wichtige Rolle in der Industrie spielen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Bestandsaufnahme, die mehr als 120 Experten in der Villinger Tonhalle während des Kunststofftages Baden-Württemberg vornahmen.

Das Kunststoff-Institut Südwest (KISW) und das Technologienetzwerk TechnologyMountains hatten zusammen mit dem Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau eingeladen.

"Die Kunststofftechnik und die Kunststoffindustrie stehen mit den Megatrends Digitalisierung und Elektromobilität vor weitreichenden Veränderungen. Diese Potenziale zu nutzen und die Transformation pro-aktiv zu gestalten, das Innovationsniveau zu halten und weiter zu stärken, setzt gute Kooperationen, praxisbezogenen sowie wissenschaftlich fundierten Branchenaustausch und fachliche Qualifizierung voraus,", sagte Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz. Sie zeigte sich überzeugt, dass der Paradigmenwechsel vom Produkt Auto auf die Dienstleistung Mobilität die Unternehmen der Kunststoffindustrie nicht einschüchtern, sondern nach Chancen suchen lassen werde.

Aktuell werde die Lage von den Unternehmen der Branche positiv bewertet, referierte Michael Weigelt, Geschäftsführer des GKV TecPart. Es gebe "sehr gute fundamentale Werte und gute Zukunftsaussichten mit zahlreichen Impulsen." Seine Einschätzung: "3-D-Druck und Spritzguss werden parallel überleben."

Diese Einschätzung wird von Dr. Oliver Keßling geteilt. Der Projektleiter am KISW berichtete über Zwischenergebnisse des Verbundprojektes am Institut, in dessen Rahmen die unterschiedlichen additiven Verfahren unter anderem im Hinblick auf Oberflächengüte, Schlagfestigkeit, Zugkraft, Wärme- und UV-Beständigkeit und weitere Parameter getestet werden. "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei einigen Verfahren gute mechanische Eigenschaften für einen industriellen Einsatz erzielt werden konnten, wobei die Bruchdehnung durchweg unter den Werten der Spritzgießreferenzmaterialien lag" so Keßling. Allerdings sei die Oberflächenqualität je nach Verfahren nicht ausreichend. Weitere wichtige Anforderungen an eine Serientauglichkeit sind die Automatisierbarkeit, die Qualitätssicherung und eine gute und kostengünstige Materialverfügbarkeit. "Diese Anforderung müssen noch erfüllt werden, um zukünftig Bauteile für den industriellen Einsatz herstellen zu können. Weitere Themen, wie etwa die Reproduzierbarkeit und die Nachbehandlung von Oberflächen sollen in einem Folgeprojekt untersucht werden", kündigte Keßling an.

Wie es nun konkret mit dem Spritzgießen in digitalisierter Produktion weitergeht erläuterte Claus Wilde, Engel Deutschland GmbH, in seiner Keynote. "Inject 4.0 zielt letztlich auf höhere Produktivität" lautete die Erkenntnis. Auch er sieht weiterhin eine Zukunft für den bewährten Spritzguss, schon wegen des großen Vorteils, elektrische und andere Funktionskomponenten gut integrieren zu können. Die digitale Komponente müsse man einstweilen als Maßnahmen verstehen, die internen Prozesse in der Maschine zu verbessern. Konkret gehe es um die automatisierte Optimierung bei Einspritzdruck, Schließkraft und Temperatur.

Friedemann Faerber, Struktur Management Partner GmbH, stellte die Frage, welche KMU-Automobilzulieferer den Strukturwandel hin zur E-Mobilität gut bewältigen werden und welche nicht. Die nicht ganz überraschende Erkenntnis der Untersuchung: Vor allem Unternehmen, die derzeit im Bereich Powertrain und Motor ihr Auskommen finden, sind stark gefährdet. Allerdings bleibe Zeit zum Handeln: "In 7 bis 10 Jahren wird sich fundamental etwas ändern." Zudem seien sich die Marktforschungsinstitute einig, dass die Stückzahlen bei Verbrennungsmotoren eben noch diese 7 bis 10 Jahre steigen werden.

Dass den Zulieferunternehmen noch eine Frist bleibt, davon geht auch die e-mobil Baden-Württemberg GmbH aus. Bis 2030 allerdings würden 75% aller verkauften Fahrzeuge eine elektrische Komponente im Antriebsstrang besitzen, führte Felix Tschiedel aus. E-Mobilität und autonomes Fahren "bedeuten in jedem Fall viele Sensoren und Algorithmen im Fahrzeug." Deshalb sei es wahrscheinlich, dass die zukünftige Wertschöpfung im Automotive-Sektor im IT-Bereich liegen werde und dass hierfür der Einsatz von Kunststoffen weiter steigen werde.


Das Programm und die Referenten im Einzelnen:


Donnerstag, 4. Mai 2017
ab 08:00
Aufbau/Registrierung/Empfangskaffee
09:30
Grußwort
Dr. Harald Stallforth, Vorsitzender
TechnologyMountains e.V.
 
Grußwort
Frau Staatssekretärin Katrin Schütz
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau BW
 
Grußwort
OB Dr. Rupert Kubon
Stadt Villingen-Schwenningen
10:00
Keynote
Überblick über Markt- und Technologietrends
Michael Weigelt
GKV TEcPart Verband Technische Kunststoff-Produkte e.V.
Wirtschaft 4.0, Additive Fertigung und Veränderung durch die Elektromobilität
10:45
Kaffeepause
 
Keynote I 4.0
inject 4.0 - Spritzgießen in einer digitalen Welt
Claus Wilde
Engel Deutschland GmbH
Digitalisieren in der Spritzgießindustrie bedeutet gemanagte Vernetzung von Maschinen, digitales Wissen über den Zustand der Maschinen und eine Maschinen-Intelligenz, welche aus inneren und äußeren digitalen Verfahrensparametern ein Qualitätsteil entstehen läßt.
 
Arbeit 4.0
Dr. Josephine Hofmann
Fraunhofer IAO
Der Vortrag thematisiert die relevanten Treiber und Gestaltungsfelder von Arbeit 4.0 in ihrer Wirkung auf Mitarbeiter, Führungskräfte und strategische Entscheider
12:15
Mittagspause
13:30
Impulsvortrag
Besser als nur gut - Die Extrameile macht den Unterschied
Bernd Reutemann
mindnessconsult
LOVEBRAND: GUT SEIN REICHT NICHT, UM LIEBLINGSMARKE ZU SEIN. Seien Sie nicht irgendwer unter Vielen. Seien Sie der Einzigartige unter den Besonderen. Täglich schickt die Werbeindustrie neue Kampagnen an den Start. Fachleuchte dichten lustige Slogans, alles mit dem Ziel, die Zuneigung des Kunden nachhaltig an sich zu binden. Aber zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffen große Lücken. Denn die Werbung im Hochglanzformat vergisst, was im Endeffekt wirklich zählt: nämlich was Kunden, Mitarbeiter oder Lieferanten im Kontakt mit dem Unternehmen unmittelbar erfahren. Eine echte Lieblingsmarke entsteht also nicht auf dem wackligen Boden windiger Werbeversprechen, sondern auf dem Fundament einer ehrlich gemeinten Service- und Dienstleistungskultur. Und die fängt im Unternehmen selbst an, denn: Wer nach innen nicht glänzt, kann nach außen nicht strahlen.
14:30
Keynote Generative Verfahren:
Entwickeln sich die Verfahren für einen industriellen Einsatz?
Dr. Oliver Keßling
Kunststoff-Institut Südwest GmbH & Co. KG
Im Rahmen des Verbundprojektes Industrieller 3D-Druck werden aktuell die Möglichkeiten additiver Fertigungsverfahren im industriellen Umfeld untersucht. Es werden unterschiedliche Verfahren mit den jeweiligen Einsatzmöglichkeiten vorgestellt.
 
Additive Manufacturing im Werkzeug- und Formenbau
Bernd Martiné
GF Maschining Solutions GmbH
Integration und Einsatzmöglichkeiten des industriellen 3D-Drucks im Werkzeug- und Formenbau.
15:30
Kaffeepause
16:00
Keynote Elektromobilität
Welche KMU Automobilzulieferer schaffen den Strukturwandel - welche nicht?
Friedemann Faerber
Struktur&Management Partner GmbH
"Die Automobilbranche befindet sich in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen und technologischen Strukturwandel. Globalisierung von Produktion und Absatz, Elektrifizierung, Vernetzung und autonomes Fahren ? das sind nur einige der Schlagwörter, die die Branche umtreiben. Die Branchengiganten wie Bosch, Continental oder ZF Friedrichshafen haben auf diese Veränderungen längst reagiert und sind dabei, sich strategisch wie operativ neu auszurichten. Aber was ist mit den vielen kleinen und mittelständischen Automobilzulieferern, die noch immer das Rückgrat dieser Branche bilden? Werden sie nach und nach aus der automobilen Wertschöpfungskette gedrängt? Oder verkümmern sie zur verlängerten Werkbank der großen Player? Haben sie - einem ständigen Preis- und Kostendruck ausgesetzt - überhaupt noch eine Überlebenschance an einem Hochlohnstandort wie Deutschland? "
 
Automatisiert. Vernetzt. Elektrisch. - Elektrifizierung und Digitalisierung in der Mobilitätsindustrie in Baden-Württemberg
Felix Tschiedel
e-mobil BW GmbH
- Überblick: Elektrifizierung und Digitalisierung in der Mobilitätsindustrie in Baden-Württemberg
- Fokus u.a. auf mittelständische Automobilzulieferer im Technologie- und Strukturwandel
17:00
Schlusswort und Verabschiedung
OB Dr. Rupert Kubon